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Semen Kertser

Erkennung nicht unterscheidbarer moderner Fälschungen antiker Silbermünzen anhand ihrer magnetischen Suszeptibilität

Der moderne technologische Fortschritt hat sich für Sammler antiker Raritäten zu einem Problem entwickelt. Mit der Entwicklung von Technik und Technologie wächst die Anzahl von nicht unterscheidbaren Fälschungen. Die Fälschung seltener und weniger seltener Münzen wird von kriminellen Organisationen durchgeführt, die Replikate in verschiedenen Ländern in Auftrag geben (https://www.russian-money.ru/articles/falshivie-moneti). Die Qualität der Fälschungen kann sehr hoch sein, sodass selbst Experten die Kopien von den Originalen kaum unterscheiden können. Erkennung von Fälschungen erfordert neue Ansätze und Methoden.

Diese Methode basiert auf Messungen der magnetischen Suszeptibilität von Münzlegierungen, die weitgehend von der Mikrostruktur der Legierungen abhängen und für alte und neue Münzen sehr unterschiedlich sind. Der Unterschied besteht darin, dass es, wie Messungen zeigen, unter den alten Münzen signifikant mehr paramagnetische Münzen und unter den modernen mehr diamagnetische Münzen gibt.

Es versteht sich von selbst, dass eine unbekannte Anzahl alter diamagnetischer Münzen tatsächlich moderne Fälschungen sind, da sich moderne Münzen fast immer als diamagnetisch herausstellen. In der Tat stützen Beobachtungen indirekt diese Vermutung: Je seltener, teurer und besser erhaltene Münzen sind, desto häufiger erweisen sich solche Münzen als diamagnetisch. Teure Münzen sind rentabler zu fälschen und unter ihnen gibt es natürlich mehr Fälschungen.

Die magnetischen Eigenschaften von Metallen, aus denen Münzlegierungen bestehen, sind seit langem gut erforscht. Die Ursache dieser Eigenschaften ist ein komplexes Zusammenwirken der elektronischen Struktur von Atomen (Lide, David R., 2003-2004). Eine Vertiefung in die Magnetfeldtheorie ist nicht das Ziel dieser Publikation. Es sei nur bemerkt, dass sogenannte "diamagnetische" Legierungen aus dem Magnetfeld abgestoßen, während "paramagnetische"  angezogen werden. Dies kann mit einer Präzisionswaage bestimmt werden.

Außerdem sind bei den Gemischen (Legierungen) die resultierenden magnetischen Eigenschaften nicht immer durch die magnetischen Eigenschaften einzelner Legierungskomponenten bestimmt. Hier besteht eine sehr komplexe Abhängigkeit von vielen Faktoren: von Reinigungsmethoden und Herstellung der Legierung (https://www.staraya-moneta.ru/lib/108957/) bis zu verschiedenen Auswirkungen auf die fertige Legierung bei der Münzprägung selbst (Meding, 2020). Es ist unbestreitbar, dass Änderungen in der Legierung, die im Laufe der Zeit auftreten, auch eine wichtige Rolle bei der Bestimmung der einen oder anderen Form des Magnetismus spielen (Kim, Duk Joo, 1999).

Systematisch wurden solche Messungen der magnetischen Suszeptibilität antiker Münzen  zum ersten Mal für die Numismatik in einer Publikation von 2017 beschrieben (Kertser, 2017).

Um die Messergebnisse zu verfeinern und zu erklären, wurden spezielle Tabellen entwickelt:

Abb. 1. Deutsche silberne Münzen

631 Münzen Relative Häufigkeiten (%) Relative Häufigkeiten (%)
Zeiträume Diamagnetische Paramagnetische
1486 - 1551 JJ. 0 100
1555 - 1574 JJ. 18 82
 1593 - 1605 JJ. 10 90
1606 - 1667 JJ. 0 100
1669 - 1688 JJ. 20 80
1692 - 1705 JJ. 30 70
1709 - 1766 JJ. 0 100
1767 - 1773 JJ. 9 91
1776 - 1832 JJ.  0 100
1836 - 1940 JJ. 8 92
1841 - 1855 JJ. 0 100
1857 - 1860 JJ. 20 80
1861 - 1862 JJ. 21 79
1863 - 1866 JJ. 0 100
 1867 - 1875 JJ. 30 70
1876 J. 15 85
 1877 - 1894 JJ. 7 93
1895 - 1898 JJ. 15 85
1899 - 1901 JJ 9 91
1902 - 1913 JJ. 0 100
1914 - 1931 JJ. 18 82
1936 J. 86 14
1937 - 1973 70 30
1974 - 1987 80 20
1994 - 2000 100 0
2001 - 2004 92 8
2005 - 2015 90 10
2016 - 2019 100 0

 

Abb. 2. Russische silberne Münzen

480 Münzen Relative Häufigkeiten (%) Relative Häufigkeiten (%)
Zeiträume Diamagnetische Paramagnetische
1732 - 1738 JJ. 27 73
1758 - 1762 JJ. 0 100
1764 - 1766 JJ. 10 90
1767 - 1772 JJ. 27 73
1773 - 1785 JJ 30 70
1817 - 1818 JJ.  85 15
1826 - 1830 JJ. 30 70
1831 - 1837 JJ. 10 90
1861 - 1877 JJ. 16 84
1891 - 1894 JJ. 7 93
1895 - 1896 JJ. 0 100
1897 J. 17 83
1898 - 1899 J. 6 94
1901 - 1912 JJ. 21 79
1913 J. 0 100
1914 - 1922 JJ. 13 87
1924 J. 6 94
1978 - 1993 JJ. 100 0

 

1. Beschreibung der Tabellen

Tabellen Abb. 1. und 2. wurden erstellt, um die Echtheit von Münzen mit einem Gewicht von 8 g bis 40 g und einer Dichte von 9,9 bis 10,5 g / cm3 zu bestimmen. Diese Dichte entspricht ungefähr Münzlegierungen mit einem Silbergehalt von 75% - 100%. Die Tabellen basieren auf Messungen von 1111 Münzen mit genau solchen Eigenschaften.

Die Aufstellung zeigt die statistisch verarbeiteten Daten magnetischer Suszeptibilitätsmessungen von 631 deutschen und 480 russischen Silbermünzen. Die erste Spalte gibt den Zeitraum an, zu dem die bereits gemessenen Münzen gehören. In der zweiten Spalte steht die relative Häufigkeit diamagnetischer und in der dritten - paramagnetischer Münzen. Die relative Häufigkeit ist das Verhältnis der Anzahl der diamagnetischen oder paramagnetischen Münzen zur Gesamtzahl der Münzen in der entsprechenden Gruppe. Die Gruppe ist aus den Münzen gebildet, die zu diesem Zeitraum gehören. Somit ergibt die Summe der relativen Häufigkeiten, die in der zweiten und dritten Spalte jeder Gruppe erscheinen, 100%.

Die Tabellen  zeigen die relativen Häufigkeiten von diamagnetischen und paramagnetischen Münzen in verschiedenen Zeiträumen. Die Methode ist für die Zeiträume gut anwendbar, in denen große Unterschiede zwischen den relativen Häufigkeiten diamagnetischer und paramagnetischer Münzen beobachtet werden. Es sind diese Unterschiede, die es ermöglichen, die Echtheit einer Münze zusätzlich zu bewerten. Genau das dürfte jeden Numismatiker und Münzsammler interessieren. Nämlich solche Zeiträume sind in den Tabellen gezeigt.

Es ist sehr wichtig, dass die Tabellen verwendet werden können, um objektive quantitative Informationen über die Echtheit der alten Silbermünzen (deutsche oder russische) auf der Grundlage des tatsächlichen experimentellen Materials von Münzlegierungen zu erhalten.

 

2. Beispiele für die Verwendung von Tabellen

 

Abb.3. Rubel, 1818, ca. 16.275.000 Ex. Wie die Messungen zeigen, ist der untersuchte Rubel aus dem Jahr 1818 diamagnetisch. Zu diesem Zeitpunkt war die relative Häufigkeit diamagnetischer Münzen ziemlich hoch. 85% der russischen Silbermünzen aus den Jahren 1817-1818 waren, wie man aus Abb.2. sieht, diamagnetisch. Tatsächlich entsprechen seine magnetischen Eigenschaften den magnetischen Eigenschaften  von Münzlegierungen aus den Jahren 1817-1818 und widersprechen in diesem Fall nicht der Echtheit dieses Rubels. Moderne Silbermünzen haben jedoch die gleichen Eigenschaften. Die Gründe für diesen Zufall sind noch nicht vollständig geklärt und müssen weiter untersucht werden.

 

Abb.4. Rubel „Napoleon’s Defeat“, ca. 40.000 Ex. Betrachtet man den russischen Rubel aus dem Jahr 1912 (Abb. 4.), so stimmt er mit allen technischen Daten zu Gewicht, Durchmesser und Dichte der Münzlegierung des Originals überein. Bei der Messung der magnetischen Suszeptibilität stellte sich heraus, dass der Rubel diamagnetisch ist. In der Tabelle (Abb. 2.) wähle man in der ersten Spalte die Zeile aus, die das Jahr 1912 (1901-1912) enthält. Die entsprechende relative Häufigkeit diamagnetischer Münzen beträgt nur 21%. Daraus können wir schließen, dass dieser Rubel mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 79% nach 1950 hergestellt wurde, was bedeutet, dass er gefälscht sein muss, da die magnetischen Eigenschaften seiner Legierung besser mit den magnetischen Eigenschaften moderner Silbermünzen übereinstimmen und nicht den magnetischen Eigenschaften von Münzen des Jahres 1912 entsprechen. Benachbarte Zeiträume (Jahre 1898-1899 und 1913) zeigen auch eine sehr geringe Häufigkeit diamagnetischer Münzen (6% bzw. 0% entsprechend). Dies erhöht die Zuverlässigkeit der Schlussfolgerung, dass der Rubel nicht echt ist.

Eine Bewertung der Echtheit solcher Münzen (1912 und 1913 Rubel) wurde bereits durchgeführt (S. Kertser, 2018), aber damals wurden die entsprechenden Tabellen noch nicht entwickelt, um die Bestimmung der Echtheit zu vereinfachen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb.5. 1 Taler 1624  Betrachten Sie als Beispiel für die Feststellung der Echtheit deutscher Münzen den Taler aus dem  Jahr 1624. (Johann Philipp I, Friedrich VIII, Johann Wilhelm IV, & Friedrich Wilhelm II). Das Aussehen und alle technischen Daten dieser Münze stimmen voll und ganz mit dem Original überein. Die Messung der magnetischen Suszeptibilität hat gezeigt, dass dieser Taler paramagnetisch ist. Wählen Sie in der Tabelle (Abb. 1.) den Zeitraum 1606 - 1667 aus. Die relative Häufigkeit paramagnetischer Münzen hier beträgt 100%. Somit wird die Echtheit dieses Talers bestätigt. Wenn er sich als diamagnetisch herausstellte, könnte man mit einer Wahrscheinlichkeit von 100% von einer Fälschung sprechen.

Abschließend möchte ich auch darauf hinweisen, dass diese Publikation eine vereinfachte Version der Methode beschreibt. Die konkreten Werte der paramagnetischen Eigenschaften der Münzen werden nicht berücksichtigt. Aber auch in dieser Form scheint die Methode für Numismatiker und Sammler durchaus praktikabel und nützlich zu sein. Außerdem hat sich dieser Artikel nur mit Silbermünzen befasst, aber auch für die Münzen aus anderen Legierungen, insbesondere für die Goldmünzen, liegen bereits Daten vor. Diese Daten werden in Kürze veröffentlicht.

 

Literaturverzeichnis

  1. Kertser S.: MAGNETISCHE EIGENSCHAFTEN UND DICHTE ANTIKER MÜNZEN

          aus: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 203 (2017) 177–191

./files/zpe.pdf

  1. Kertser S.: Die Erkennung moderner Fälschungen seltener silberner Münzen.,MünzenRevue  7+8/2018

./files/silber-publ.pdf

  1. Kim, Duk Joo: New Perspectives in Magnetism of Metals, New York u.a. 1999.
  2. Lide, David R. (Hrsg.): Handbook of Chemistry and Physics, 84. Aufl age, Boca Raton, Fla.  2003–2004.
  3. Meding, Henner R.: Zur Herstellung von Münzen in Mittelalter und Neuzeit., Numismatisches NachrichtenBlatt 5/20
  4. https://www.staraya-moneta.ru/lib/108957/

Publikationen:

Magnetische Eigenschaften der Münzlegierung von Maria-Theresia-Talern., MünzenRevue 11/2018

./files/theresia-publ.pdf

Ich möchte mich herzlich bedanken bei allen Unternehmen, Vereinen und Privatpersonen: Hans Linnartz (Münzhandlung – Kölner Münzantiquariat & Expertise-Central), Herrn Dr. G. Staab (Universität zu Köln, Kustos der Münzsammlung am Institut für Altertumskunde), bei allen Mitarbeitern des Kölner Münzkabinett (Geschäftsführer Herr Heinen ) und besonders bei Herrn Scheuermann und bei Herrn Grassel, bei allen Mitgliedern des Kölner Münzfreunde (Vorsitzender Herr Henseler), bei allen Mitgliedern des Kölner Erfinderclubs (Vorsitzender Herr Goldberg), bei allen Mitarbeitern des Köln-Gold ( Unter Taschenmacher 6/8, Bechergasse 5, Köln, Inh. Ronny), sowie Herrn Dobosh für die Überlassung der untersuchten Münzen, für das Lesen des Textes sowie wertvolle Ratschläge zur Interpretation einiger Ergebnisse der Untersuchung.

Bei allen Fragen zu den physikalischen Methoden zur Analyse der Echtheit von Münzen können Sie sich gerne per E-Mail an den Entwickler der Methode und den Autor dieses Artikels wenden: muenzanalyse@gmx.de oder kertser@gmx.de

08.2020, Köln

 

Dr. Semen Kertser

E-Mail:  

kertser@gmx.de

oder

muenzanalyse@gmx.de

 



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